Sehr geehrte Patientinnen und Patienten,

aktuell liegt eine Gesetzesentwurf der Bundesregierung (29.04.2026) vor, der im Sommer vom Bundestag beschlossen werden soll, der die psychotherapeutische Versorgung für Gesetzlich Versicherte erheblich einschränken wird. Zwei Wochen nach der Honorarkürzung (4,5 Prozent weniger Honorar bedeuten de facto ca. 8 Prozent weniger Einkommen!) wurde vorgelegt, alle Zuschläge für Psychotherapie zu streichen und die psychotherapeutischen Leistungen in die Budgetierung zu überführen.

2013 war die Psychotherapie aus der Budgetierung ausgenommen worden. Seither durften „halbe Kassensitze“ statt 18 nun bis zu 30 Stunden pro Woche Gesetzlich Versicherte versorgen. In der Folge erhielten wir Psychotherapeuten jedoch fast ausnahmslos lediglich halbe Kassensitze, mittlerweile bundesweit 72 Prozent aller psychotherapeutischen Praxen.

Noch ist nicht völlig klar, was das Gesetz genau bedeuten wird. Es kann aber sein, dass ich nur noch 18 oder gar 12,5 Stunden pro Woche „Kassenpatienten“ werde sehen dürfen. Und auch diese nur zu einem Prozentsatz vergütet werden, den ich erst viele Monate später erfahren werde. Währenddessen fordert die GKV immer neue, kostenintensive Technologien, die wir ohne erkennbaren Mehrwert vorhalten müssen.

Klar erscheint nur, dass eine Praxis mit halbem Kassensitz allenfalls dann wirtschaftlich überlebensfähig sein kann, wenn ein beträchtlicher Anteil der bisherigen Behandlungskapazität durch Privatzahler ersetzt werden kann.

Da dies im Saalekreis unwahrscheinlich ist, ist fraglich, wie lange die Psychotherapiepraxen hier noch werden existieren können. In jedem Fall werde ich mir einen Zweitjob suchen müssen und ambulante Psychotherapien in meiner Praxis mehr oder weniger ausschließlich als Gruppentherapie werde anbieten können. Es ist davon auszugehen, dass ein Großteil der Praxen im Laufe des kommenden Jahres schließen werden müssen. Denn konkret gehe ich davon aus, dass sich mein Jahresüberschuss vor Steuern auf ca. 30.000 Euro sinken wird, von dem ich dann auch noch meine GKV- und Rentenversicherungsbeiträge, zu denen ich keinen Arbeitgeberanteil erhalte und die daher ca. doppelt so hoch sind wie bei Angestellten, bezahlen muss. Das entspricht einem wirtschaftlichen Totalschaden. Ich werde versuchen, so lange und umfassend wie möglich für Sie da zu sein. Das wird jedoch nur möglich sein, wenn ich eine andere Erwerbsquelle finden kann. Und dann stellt sich die Frage, ob ich nicht ausschließlich in diesem Feld arbeiten werde.

Gefällt Ihnen nicht? Mir auch nicht. Kontaktieren Sie Ihren Bundestagsabgeordneten sowie die Gesundheitsministerin von Sachsen-Anhalt und teilen Sie Ihre Gedanken hierzu. Die Psychotherapie wird es am härtesten und schnellsten treffen. Aber auch andere Fachärzte und später auch Hausärzte werden zu kämpfen haben und möglicherweise aufgeben.

Glauben Sie nicht die vom Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung und vom Verband der Ersatzkassen verbreiteten Falschmeldungen, dass wir Psychotherapeuten mit 210.000 Euro im Jahr mehr verdienen als Chirurgen. Das ist extrem weit entfernt von den Lebensrealitäten! Hiergegen ist bereits auch eine Klage eingereicht worden.

Bundestagsabgeordneter des hiesigen Wahlkreises: di**********@*******ag.de

Gesundheitsministerin Sachsen-Anhalt: Petra Grimm-Benne

Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Gleichstellung
des Landes Sachsen-Anhalt
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